Wochenimpulse

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Ludwig Raischl
Ob es reicht?
3. Fastenwoche, 7.-13.3.2021

Joh 2, 13-25
„Ob es reicht?“ – diese Frage stand bei der online-Begegnung mit der Bibel plötzlich im Raum. Und es folgte eine lange Stille. Zum Glück hatte niemand aus der Runde eine schnelle Antwort parat, welche die Tiefe dieser Frage nicht ausloten hätte können. Denn diese Frage will ernst genommen werden.
Ob es reicht – eine zutiefst menschliche Frage. Da ist die Athletin, die beim Wettkampf im Zielraum abgekämpft und außer Atem bange auf die Anzeige schaut, ob es für eine gute Platzierung gereicht hat. Da wartet die Klasse auf die Verkündigung des Prüfungsergebnisses und hofft, dass der Abschluss erfolgreich bestanden ist. Da ist das Kind, das eine häusliche Arbeit zu erledigen hat und unsicher ist, ob die Eltern nun auch zufrieden sind.
Da sind die Menschen, die im Tempel von Jerusalem ein Tier- oder Geldopfer geben aus Dankbarkeit oder als Bitte oder einfach, weil es vorgeschrieben ist. Und da sind die Händler, die daraus ein Geschäft machen. Jesus sieht das und jagt die Händler, nicht die Menschen mit ihren Anliegen, aus dem Tempel.
Was erzürnt Jesus so stark? Nicht, dass die Leute mit dem Ihren zum Allerheiligsten kommen, dass sie etwas geben oder zurückgeben wollen und hoffen, dafür etwas zu bekommen. Nein. Jesus erzürnt der Handel, das Geschäft und die Betriebsamkeit dazu, der den Blick auf das Allerheiligste verstellt. Er will uns weiter- und hineinführen in den Tempel, in das Haus des Vaters, wie es heißt. Jesus geht es um die Begegnung mit dem himmlischen Vater. Dieser Begegnung darf nichts im Weg stehen. Im Haus des Vaters ist der Platz für das Sehen und Gesehen werden und es ist auch Platz für die persönliche Frage, ob es reicht.
Jesus geht mit seiner bildlichen Antwort auf die kritische Nachfrage der Juden noch weiter: in drei Tagen werde ich den Tempel meines Leibes wiederaufbauen. Er gibt sein Leben für uns, er lässt sich ans Kreuz schlagen, er geht hinab in die tiefste Tiefe des Todes und wird auferweckt am dritten Tag. Jesus lenkt den Blick bei der Frage, ob es reicht, weg von unseren Leistungen. Er antwortet mit seinem Leben und bietet uns so eine Lösung an.


Ludwig Raischl, Direktor Haus der Begegnung HEILIG GEIST

Foto: Hans Mitterer


Dr. Annette Langner-Pitschmann
Wenn Gott sich zeigt
2. Fastenwoche 28.2. - 6.3.2021

Vor kurzem – siehe Markus 8 – war noch alles ganz anschaulich und normal. Jesus saß mit seinen Jüngern beieinander und sprach mit ihnen darüber, was es mit dem Reich Gottes auf sich hat. Heute, „sechs Tage danach“, werden wir Zeuginnen und Zeugen einer Szene, die dagegen wirkt wie ein Traum. Nachdem er mit drei Jüngern auf einen hohen Berg gestiegen ist, wird Jesus auf unerklärliche Weise verwandelt. Mose und Elija – Figuren aus der fernen Vergangenheit – treten auf; alle Beteiligten werden von einer Wolke überschattet, aus der eine Stimme zu hören ist, bevor der Zauber schließlich mit einem Schlag vorüber ist.
Die Szene hat ein Vorbild im Buch Exodus (24), wo Mose mit ausgewählten Begleitern den Sinai besteigt, um dort nach sechs Tagen des Wartens die Stimme Gottes aus der Wolke zu hören. Dort nutzt Gott seinen starken Auftritt, um Mose detaillierte Anweisungen zur Architektur des geplanten Heiligtums zu geben. Hier, in der Markuserzählung, fasst er sich deutlich kürzer: „Dies ist mein geliebter Sohn. Auf ihn sollt ihr hören.“
Das eigentliche Thema Gottes ist in beiden Fällen das Gleiche: Die Menschen sollen wissen, in welcher Weise er unter ihnen wohnen möchte. Das Heiligtum des Exodus und die Person Jesu gleichen sich darin, dass sie Berührungspunkte zwischen Gott und Mensch sind.
An der Erzählung von Markus fasziniert mich dabei zweierlei. Zum einen legt sie nahe, dass wir Gott dann begegnen, wenn wir „auf Jesus hören“. Nicht die Anbetung oder der Dienst stehen an der allerersten Stelle der Gottesbegegnung, sondern die ungeteilte Aufmerksamkeit für das Wort. Aus dieser Aufmerksamkeit folgt alles andere.
Zum anderen berichtet Markus nicht einseitig von der spektakulären Inszenierung Gottes, sondern zugleich auch von der hemmungslosen Überforderung des Menschen. Ganz ruhig kommentiert er den einigermaßen sinnlosen Vorschlag des Petrus, drei Hütten zu bauen, mit den Worten: „Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte.“
Gott lässt uns nicht allein mit der Frage, wie wir seine Nähe suchen können. Sollten wir uns vor dieser unerwarteten Begegnung zunächst einmal in eine Übersprungshandlung retten, so wissen wir dank Markus’ Hinweis: Das ist normal. Ich finde, das sind zwei ausgesprochen menschenfreundliche Gesten, die uns spüren lassen, dass die Szene auf dem Gipfel in all ihrer Rätselhaftigkeit genau für uns gemacht ist.


Dr. Annette Langner-Pitschmann, Professorin für Theologie in globalisierter Gegenwart


Josef Fischer
Mit Jesus, mit Tieren und mit Engeln
1. Fastenwoche 21. - 27.2.2021

Jedes Jahr gibt’s die Zeit der Chance. Vierzig gewöhnliche Tage gehen eigens her. Wie’s mir heuer geht mit ihnen oder, besser gesagt: mit mir…
Wie ist es denn Jesus ergangen? Er fand sich vor. Unspektakulär. >Und er war in der Wüste vierzig Tage, versucht werdend vom Satan<. Dorthin hatte ihn die reine, unwiderstehliche Kraft der Liebe Gottes, der Heilige Geist, getrieben. Jesus, ein Getriebener also. Wer oder was treibt nun mich? So dass ich in die Herausforderungen und Erprobungen gerate. Wo ich viel zu hören bekomme und eins davon auswähle: Werde wach. Lebe auf. Gebrauche deine Sinne. Schau um dich und geh in dich. Mach dir nix vor. Sei auf der Hut. Stell dich ein. Lass zu, dass dir die Wirklichkeit begegnet. Halte dein Leben aus. Mensch, werde wesentlich. Lerne lieben. Es kann sein, dass ich auf einmal ausrufe: Deife, Deife. Dann soll ich mich nicht drausbringen lassen. Das möchte der Satan. Aber Gottes guter Geist steht hinter allem. –
Jesus war nicht nur in der Wüste. >Er war bei den Tieren<. Weiß der Evangelist Markus. Früher haben wir manchmal in der Runde gespielt: Was wäre die (zu erratende) Person, wenn sie ein Tier wäre? Vorsicht, das Spiel ist ernst. Sonst wäre es ja kein Spiel. Bin ich hier im Zoo, frage ich mich dann und wann? Was sollen all die Viechereien? Jesus, der über alle Maßen Menschliche, er hält es beim Tierischen aus. Hat er es integriert? Der Gottessohn? –
>Und die Engel dienten ihm<. Sie sagen mir wie damals Jesus: Wir hüten dich. Sei du nur selber auf der Hut (sieh oben). Wie gut, dass es die Engel gibt. Nicht nur für jedes Kind, das in dieser Welt sein Nest sucht. Für jeden Menschen. Für die Verstorbenen: >Zum Paradies mögen Engel dich geleiten<, singen wir ihnen auf dem Weg zum Grab. Für die ganze Schöpfung.-
Vierzig Tage ist nun Zeit. Es heißt nicht: Die Zeit läuft mir davon. Es ist zu wenig Zeit. Nein, es heißt: die Zeit ist erfüllt. Freu dich in ihr. Zeit ist in Fülle. Das Reich Gottes ist nahe. Also, was liegt näher, als dass ich mit anderen zusammen umkehre und an das Evangelium glaube.


Josef Fischer, Domkapitular em.


Ludwig Raischl
Sich berühren lassen und berühren
7. Kalenderwoche 14.-20.02.2021

Mk 1,40-45
Es gibt Geschichten, die einen berühren. Eine solche wird heute erzählt. Ein Aussätziger kommt ins Spiel. Einer, von dem eine Ansteckungsgefahr ausgeht und der deswegen abgesondert leben muss – über Jahre, meist ein Leben lang. Er hört von Jesus, der heilend unterwegs ist und der ihn, den Unreinen, rein machen kann. Das weckt seine Lebenskräfte, er rafft sich auf, er überwindet die Isolierung und kommt zu Jesus. Er drängt sich geradezu auf.
Wie reagiert Jesus? Als Erstes lässt er sich berühren. Das Leid des Aussätzigen lässt ihn nicht kalt. Wörtlich heißt es, dass es Jesus bis an die Eingeweide, bis ins Innerste geht. Es ward ihm weh ums Herz angesichts des Elends, das ihm gegenübersteht. Das tut gut zu erfahren, dass uns in Jesus ein Mensch durch und durch begegnet, der sich in die Not einfühlt und nicht hinter Vorschriften zurückzieht. Jesus, ganz Mensch! Als Zweites berührt er den Aussätzigen. Jesus scheut den Kontakt nicht, er lässt körperliche Nähe zu. Es geschieht Begegnung. Jesus kommt dem Aussätzigen nahe. Der Aussätzige seinerseits hält dies aus und lässt sich berühren. Schließlich spricht Jesus ein Wort, klar und wirksam: Ich will, werde rein! In diesem Wort begegnet uns eine andere Wirklichkeit, die über das rein menschliche Verstehen hinausgeht. Hier begegnet uns Jesus, durch den Gott selber spricht!
Eine berührende Geschichte! Und Berührung ist wichtig, besonders in diesen Tagen, in denen uns oft Distanz auferlegt ist. Vielleicht finde ich mich im Aussätzigen wieder an einem Punkt, wo ich nicht mit mir im Reinen bin. Oder ich sehe mich in der Spur Jesu und lasse mir eine konkrete Not nahe gehen. Wenn dann noch ein aufbauendes Wort über die Lippen käme, das wär ja wunderbar!


Ludwig Raischl, Direktor Haus der Begegnung HEILIG GEIST

Foto: Hans Mitterer


Dr. Annette Langner-Pitschmann
Gekommen, um zu befreien
6. Kalenderwoche 7.2. - 13.2.2021

Die ganze Stadt vor der Tür – und alle erhoffen sich von Jesus die Heilung von ihren körperlichen und seelischen Leiden. Jesus beantwortet diese geballte Hoffnung auf unterschiedlichen Wegen. Zunächst einmal erfüllt er die hohe Nachfrage und heilt immerhin „viele, die an allen möglichen Krankheiten litten“. Dann aber kommt ein Moment, in dem er sich gegen die Erwartungen abgrenzt und sich zum Gebet zurückzieht. Schließlich entscheidet er, die Menge der hoffenden Menschen stehen zu lassen und seine Verkündigung in den Nachbardörfern fortzusetzen.

Was aber ist das für eine Entscheidung? Auf den ersten Blick kommt es mir vor, als ginge es um die Frage der richtigen Verteilung begrenzter Ressourcen. Dann hieße die Botschaft: Im Dienst am Menschen ist es wichtiger, dass ein möglichst großer geografischer Radius abgedeckt wird, als dass an einem einzelnen Ort möglichst alle erreicht werden.

Beim näheren Hinsehen scheint allerdings ein ganz anderes Motiv hinter Jesu Entscheidung zu stehen. Sein Ziel ist es nicht, im Alleingang möglichst viele Menschen von ihren Leiden zu erlösen. Sein Ziel ist es, durch sein Wort und seine Taten möglichst viele Menschen dazu zu bewegen, zur Heilung und zur Befreiung anderer Menschen beizutragen. Jesus dient, um uns zum Dienst an Anderen zu befähigen.

Jesus legt in dieser Entscheidung eine beneidenswerte Klarheit an den Tag: „Dazu bin ich gekommen“. Diese Klarheit mag es übrigens auch gewesen sein, aus der heraus die Schwiegermutter des Petrus den direkten Weg vom Krankenbett zum Dienst in der Küche nimmt (auch wenn ich persönlich finde, sie hätte sich nach der schnellen Heilung durchaus erst einmal Zeit für sich selbst nehmen sollen). Diese Klarheit darüber, wozu wir gekommen sind und wo unser Dienst hier und heute beginnen sollte, wünsche ich uns von Herzen.

Dr. Annette Langner-Pitschmann, Professorin für Theologie in globalisierter Gegenwart


Josef Fischer
Von einem, der eins mit sich ist
5. Kalenderwoche 31.1. - 6.2.2021

Mk 1,21-28
Wie hätten Sie’s denn gern? So kann man beim Einkaufen im Metzgerladen gefragt werden oder wenn man im Gasthaus sein Essen bestellt: Medium oder durch? Dass die Einzelnen zu ihrem Recht kommen und nach Wunsch bedient werden, das ist im Interesse des Kunden und des Anbieters. –
Wie wird denn hier gelehrt? Fragt so, wer für eine wirkliche Botschaft steht, wer wirklich etwas zu sagen hat? Von Jesus heißt es, als er in der Synagoge von Kafarnaum auftritt, dass er lehrt, wie einer der Vollmacht hat und nicht wie die Schriftgelehrten. Wie sind sie denn aufgetreten, die Schriftgelehrten? Korrekt, ordentlich, so dass du nicht ankommst gegen sie? Oder rechthaberisch und selbstgerecht wie die Besserwisser zu allen Zeiten? Oder auch begütigend und besänftigend, um nur ja niemandem zu nahe zu treten? Wir wissen es nicht. Jesu Auftreten jedenfalls ist von anderer Qualität. Er richtet sich nicht nach dem, wie man‘s gerne hätte. Er hat eine Botschaft und er ist eins mit ihr. Und eins mit sich. So was hat man noch nicht erlebt gehabt, in Kafarnaum, bis dato. So was, oder besser: so jemanden. Kein Wunder, dass sie außer sich geraten, die guten Leute von Kafarnaum. -
Und da ist noch ein anderer, der außer sich ist, in ganz anderer Weise außer sich, der nicht bei sich selbst, nicht Herr seiner selbst ist, ein Mann mit einem unreinen Geist. Der kommt bei Jesus an den rechten. Jesus, der ganz bei sich ist, gibt den zerrissenen und entfremdeten Menschen sich selbst zurück, macht ihn wieder heil. Kein Wunder, dass sie alle erschrecken. Sie waren ja nur in die Synagoge gekommen, wie immer, und dann so was. –
Wer in die Kirche kommt, begegnet hoffentlich Jesus. Damit ist zu rechnen. Wer mit Jesus in Kontakt kommt, kommt möglicherweise zu sich. Das ist drin. Vielleicht anders als man’s für gewöhnlich gerne hätte. Aber so, dass es guttut.


Josef Fischer, Domkapitular em.

Foto: Hans Mitterer


Ludwig Raischl
Erfüllte Zeit
4. Kalenderwoche, 24. - 30.1.2021

Mk 1,14-20

Die Zeit! Wir alle haben unsere Erfahrungen mit ihr. Da läuft die Zeit davon. Vor allem, wenn etwas bis zu einem gewissen Datum fertig sein muss: in der Arbeit eine Aufgabe oder privat ein Antrag, der eilt, oder ein Gespräch, das man liebend gern hinausschieben würde … . Im Gepäck tragen viele ungute Erinnerungen an Prüfungen mit sich, die beim bloßen Drandenken noch Angstgefühle hochsteigen lassen, weil man mit einer Aufgabe nicht fertig geworden ist. Die alten Griechen nannten diese Zeit Chronos, die Zeit, die nicht anzuhalten ist und gnadenlos verrinnt.

Jesu erste Worte im Markusevangelium drehen sich auch um die Zeit. Erfüllt ist die Zeit, ruft er den Menschen damals zu. Für Zeit steht hier das Wort Kairos. Der Kairos ist die Zeit, die beim Schopf gepackt werden will. Der Kairos ist die gute Gelegenheit, die nicht versäumt werden darf. Auch diese Erfahrung ist uns nicht fremd. Plötzlich ist ein Augenblick da, in dem es einfach schön ist. In einer Begegnung stellt sich gegenseitiges Verstehen ein. Das tut gut und stärkt. Wenn sich zwei Menschen kennen und lieben lernen, wenn es „gefunkt“ hat, dann ist der Kairos da. Mit Jesus kommt uns diese günstige Gelegenheit zur wahren Begegnung nah. Auch heute ruft er uns Menschen zu: Erfüllt ist die Zeit! Dieser Zuruf gilt allen, besonders denen, die mitten in bedrängenden Chronoserfahrungen stecken und die nicht aus dem Hamsterrad des Immer-Schneller und Immer-Mehr herauskommen. Wem Jesus begegnet, für den bleibt die Zeit stehen und es wird erfüllte Zeit. So ist auch zu verstehen, dass Andreas und Petrus beim Ruf Jesu alles liegen und stehen lassen und mit ihm gehen. Sie werden zu Menschenfischern, die andere in diese Erfahrung mit Jesus führen wollen, in der die Zeit wie still zu stehen scheint und erfüllt ist.

Der aktuelle Lockdown bietet die günstige Gelegenheit, sich Augenblicke der Ruhe zu gönnen, in der Stille ein Wort Jesu zu hören und mit ihm in ein vertrautes Gespräch einzutreten, von Herz zu Herz, wo alles gesagt werden darf. Dieser Kairos bietet sich auch in dieser Woche an. Erfüllte Zeit eben!


Ludwig Raischl, Direktor im Haus der Begegnung Heilig Geist


Brigitta Neckermann-Lipp
Wo wohnst Du?
3. Kalenderwoche, 17. - 23.1.2021

Joh 1, 35-42
Ich finde das immer interessant, zu sehen wo und wie jemand wohnt. Die Einrichtung, die Bücher, die im Regal stehen, die CD-Sammlung, … sagen etwas aus – und leicht kommt man darüber miteinander ins Gespräch. Und darum geht es ja: in Beziehung zueinander zu kommen.
„Wo wohnst du?“ fragen zwei Jünger Jesus bei ihrer ersten Begegnung. Jesus nennt ihnen nicht die Straße oder das Haus, sondern lädt sie ein zur Begegnung: „Kommt und seht“. Die beiden Jünger müssen sich bei Jesus daheim wohlgefühlt haben und vermutlich hat es sie beeindruckt, was sie erlebt haben, schließlich sind sie den ganzen Tag geblieben und erzählen später auch anderen davon.
„Komm und sieh!“, sagt Jesus auch zu mir und lädt mich ein, zu ihm „nach Hause“ und mit ihm in Beziehung zu kommen. Ein Besuch bei einem Menschen kann verschiedene Anlässe und Formen haben. Und so kann auch mein Kommen dorthin, wo Jesus “wohnt“, unterschiedliche Formen haben: z.B. mich mit seinen Taten und Worten beschäftigen, indem ich einen Abschnitt in der Bibel lese, im Gottesdienst ihm nahe sein, ihn auf einen Spaziergang mitnehmen und ihm erzählen, was mich gerade beschäftigt, ihn in jedem Menschen sehen, der mir begegnet …
Wann lasse ich mich in dieser Woche zu Jesus “daheim“ einladen?!
Vielleicht mag ich in dieser Woche auch mit jemandem Kontakt aufnehmen und eine „Wohnungsfrage“ als Aufhänger nützen: „Blüht bei dir der Weihnachtskaktus wieder so schön?“ oder „Hast du eigentlich das neue Buch von xy? Wie findest du es?“ …

Brigitta Neckermann-Lipp, Referentin im Haus der Begegnung

Foto: Hans Mitterer